Idee, Planung, Umsetzung

Präsentiert vom
ATZE Musiktheater

2020

Geboren wurde die Idee für das Luftschloss im Juni 2020 in der Fliegerwerkstatt – einer Jugendeinrichtung mit handwerklichem Schwerpunkt im Gebäudekomplex des Tempelhofer Flughafens. Christine Dissmann, Betreiberin des ogalala Theaters in Kreuzberg und Mutter einer Jugendlichen, die in ihrer Freizeit in die Fliegerwerkstatt kam, brauchte den damaligen Werkstattleiter und Schreinermeister Mathias Link nicht lange zu überzeugen. Die Jugendlichen waren durch ihre bisherigen Arbeiten in der Fliegerwerkstatt motiviert und konnten sich vorstellen, unter Anleitung ein hölzernes Open Air Theater zu bauen. Die Tatsache, dass Link just zu diesem Zeitpunkt auch noch günstiges Bauholz aus einem privaten Wald in Unterfranken angeboten wurde, festigte den Entschluss, das Projekt in die Tat umzusetzen.

2021

Als Standort konnte man sich das naheliegende Tempelhofer Feld gut vorstellen. Mit Unterstützung des Bürgerbeteiligungsgremiums zur Feldentwicklung, der Feldkoordination, der auch Mathias Link als gewählter Bürgervertreter angehört, wurden passende Rahmenbedingungen definiert.
Da die Nutzung des Feldes seit der Schließung des Flughafens immer auch eine politische Frage war, mussten die zuständige Senatsverwaltung und die Betreibergesellschaft Grün Berlin überzeugt werden. Diese wünschten sich allerdings einen größeren Betreiber, der die nötige Erfahrung im Bespielen und Verwalten einer entsprechenden Kulturstätte mit sich bringen würde. So wurde 2021 Thomas Sutter, Gründer und Leiter des ATZE Musiktheater, angefragt. Der ließ sich nicht lange bitten und begann sofort damit, im besten Wortsinn den Kopf in die Wolken zu recken.

2022

… begannen Mathias Link und seine zusammengestellte Crew aus handwerklich interessierten Jugendlichen mit dem Bau des Luftschlosses auf dem Gelände der Malzfabrik in Schöneberg. Dort leitet er seit 2022 das Jugendprojekt Mobile Bauwerkstatt des Bildungsverein Bautechnik.
Mit Unterstützung der Knobelsdorff Schule Spandau und deren Zimmerei Auszubildenden der ZIM 21 unter Leitung von Johannes Jäger, der mobilen Bauwerkstatt und deren Trägerorganisationen sowie der Kernzone gGmbH, die Schreinermeister Link eigens als rechtlichen Rahmen zur organisatorischen Umsetzung des Projektes gegründet hat, wurde geplant und gebaut.

Gut 100 Helfer*innen aus Gesamt-, Gemeinschaftsschulen, Oberstufenzentren und der interessierten Bürgerschaft Berlins haben 12 Monate in unterschiedlichster Intensität 120 m3 Bauholz in ein Theater mit 3000 m3 Volumen verwandelt. Es wurde gemessen, gesägt, gestemmt, gehobelt, geschliffen, die berufliche Orientierung von Schüler*innengruppen und Praktikant*innen gefördert, sich über das Leben ausgetauscht und sehr, sehr viel Fachwissen vermittelt.

Der gesamte Planungs- und Bauprozess steht exemplarisch für die Methode der Kernzone, handwerklich orientierte Jugendarbeit anzubieten. Denn wie Schreinermeister Link betont: „Jugendliche können viel mehr leisten, wenn man es ihnen zutraut! Das klassische Bildungssystem setzt ihnen eigentlich immer wieder lediglich Erfüllungsmomente vor. Es gibt oft wenige Möglichkeiten für die Jugendlichen, ihre Talente einzubringen. Dabei gibt es keinen Menschen, der nichts kann.“

Bereits im Herbst 2022, gerade einmal zwei Jahre nach dem Aufkommen der Idee des Luftschlosses, veranstaltete das ATZE Musiktheater die ersten Pilotwochen der neuen Open Air Bühne. Obwohl lediglich das Bühnenpodest von 10×12 Metern Länge stand sowie zwei Sitztribünenelemente als Showcases, war der Andrang enorm. Programmatisch gab es vor allem Theaterstücke des ATZE Musiktheaters und Musik der Tempelhofer Feld Gemeinschaft, die schon seit Jahren für nahbare Kultur an diesem historischen Ort sorgt. Und wie eine Wolkenspiegelung zeigten begeisterte kleine wie große Zuschauer*innen: So eine Bühne hat gefehlt!

Das tut sie jetzt nicht mehr. Denn das Luftschloss Tempelhofer Feld hebt ab Mai 2023 ab.